Familiencamp für Übergangszeremonien

Liebe Menschen aller Lebens und Liebesphasen,

inspiriert von den Übergangsriten des “Sweet Medicine SunDance Path” veranstalten wir dieses Jahr wieder unser “Familiencamp für Übergangszeremonien” unter der Leitung der Skwanesie-Lodge, der Lebenswege-Lodge und der Eastfire Study Group Lodge vom 30.6. bis 4.7.2021 in Wenzlow/OT Boecke bei Brandenburg.

Übergangsriten gab es von jeher in allen Kulturen der Welt. Sie dienen dazu, den Menschen einzubinden in die Gemeinschaft, seine Schritte des Wachsens und Reifens anzuerkennen und sie in gemeinsamen Zeremonien zu bekräftigen.

Übergangsriten kennzeichnen den Wechsel (Übergang) von einer Lebensphase in die nächste. Sie geben uns den dafür notwendigen Kraftschub.

Dazu gehören z. B. die Taufe und Namensgebung der Kleinsten, die Zeremonien zur körperlichen Reife für junge Männer und Frauen, ebenso wie die Visionssuche der Erwachsenen oder die Ehrung zum Eintritt in den Status des Ältesten.

Die von uns angebotenen Übergangszeremonien sind offen für alle Menschen und bedingen keinerlei Vorkenntnisse.

Wir bieten in diesem Jahr für Jugendliche die “Erster Samen”- und “Erste Blutungs”-Zeremonie, sowie die “Visionssuche” ab 16 Jahren an.

Für Erwachsene gibt es neben persönlichen Zeremonien die Übergangszeremonien für die Altersstufen ab 33, 45, 54, 57 bis hin zu 81 Jahre Jahren.

Wir laden Familien, Jugendliche und Erwachsene gleichermaßen ein.

Kinder sind am Platz willkommen, müssen aber in diesem Jahr wahrscheinlich noch in eigener Verantwortung betreut werden.

Kosten: 140 Euro U&V; 240 Euro Campgebühr

Wir heißen Dich herzlich willkommen!

Anke, Gunhild, Karsten, Gunhild und Rudi

Für weitere Infos und Anmeldung (bis 13.6.21)
Gunhild Haderlein
familiencamp@posteo.de


Orientierung in bewegten Zeiten – Die Bedeutung von Übergangzeremonien für unser
sexuelles Selbst

„Wir begreifen Leben als Entwicklungsweg zu freien, reifen Menschen. Übergangszeremonien
– wie wir sie aus der schamanischen Tradition des „Süßen Weges der Sonnentanzmedizin“
gelernt und erfahren haben – vermitteln uns Wissen und bringen uns in Kontakt mit unserer
Kraft, die anstehenden Lernschritte zu tun.

Die erste Regelblutung ist im Leben jedes zur Frau heranwachsenden Mädchens ein
bedeutungsvoller Moment. Fast alle Frauen erinnern sich ihr Leben lang an die Umstände ihrer
ersten Blutung und wie sie sich dabei gefühlt haben. Stell dir vor, du hättest diesen Übergang in
folgender Weise gefeiert:

„Die jungen Frauen betreten das Tipi. Sie haben ihre schönsten Kleider angezogen. Sie sind durch
Teachings und Selbstreflektion gut vorbereitet auf diesen Moment, der sie nun erwartet. Es liegt
eine fröhliche und gleichzeitig feierliche Atmosphäre im Raum. Die schon versammelten Frauen
stimmen zum leisen Klang einer Handtrommel ein Lied an: Du bist eine schöne Frau, du bist eine
starke Frau…

Es folgt eine Zeremonie, in der die jungen Frauen, die vor kurzem ihre erste Blutung erlebt haben,
von den erwachsenen Frauen in den Kreis der Frauen aufgenommen werden. Sie bekommen in
dieser Zeremonie Wissen über den weiblichen Zyklus vermittelt. Es werden „Geschichten der
Kraft“ über das „Frausein“ geteilt. Die jungen Frauen teilen ihre Träume und Wünsche darüber, wer
sie sein wollen, was sie gerade an Fragen bewegt und wo sie sich Unterstützung wünschen. Die
Mütter werden von der Leiterin der Zeremonie geehrt für ihren Einsatz für die jungen Frauen,
während ihres Aufwachsen, für die Fürsorge und Liebe, die sie gegeben haben. Das sind oft
Momente von großer Rührung und Dankbarkeit. Unausgesprochenes findet hier Worte. Die Frauen
beschenken die jungen Frauen mit einem speziellen „Maidensbag“. In diesen Beutel kommen
solche Gegenstände, die die junge Frau an ihre Kraft und Schönheit erinnern. Es wird geweint und
gelacht. Da ist Berührung und Feierlichkeit.

Es wird auch über den selbstverantwortlichen Umgang mit der eigenen Sexualität gesprochen und
was die monatliche Fruchtbarkeit für eine junge Frau bedeutet im sinnlichen Spiel der Geschlechter.
Es wird gemeinsam gesungen und nach Beendigung der Zeremonie erwartet alle das von den
Brüdern, Onkeln und Vätern gerichtete Festmahl.“

Übergangsriten sind ein wichtiger Bestandteil des gesellschaftlichen Lebens. Seit jeher haben
Clans, Familien und Stämme die Übergänge ihrer Mitglieder von einer Lebensphase in die andere,
von einer Position in der Gemeinschaft in die nächste mit Zeremonien gefeiert.

Wie würdest Du heute auf Deine erste Regelblutung zurückschauen, wenn Du Deine körperliche
Reife mit einem zeremoniellen Fest hättest feiern können? Wenn Du die „Geschichten der Kraft“
gehört hättest von älteren, reiferen Frauen, die Du kennst und liebst – Deine Schwestern, Mutter,
Großmutter, Tanten, – und hättest von ihnen hören können, wie sie gelernt haben zu sich selbst, ihrer
Sexualität und ihren Wünschen und Vorlieben zu stehen?

Ähnliches gilt natürlich auch für die jungen Männer, die gehört und gelernt hätten über die Kraft
und die Verantwortung für ihr Handeln und ihren Samen.

Der Begriff „Übergangsritus“ stammt von dem französischen Ethnologen Arnold van Gennep. Er
beobachtete bei indigenen Völkern, dass sie diese natürlichen Übergänge als etwas ansahen, dass
für den Einzelnen allein eine Gefahr darstellte und daher in der Gruppe gemeinsam rituell begangen
werden musste.

Van Gennep entwickelte ein Drei-Phasen Modell nach dem Übergangsriten strukturiert sind. Er
benennt sie unter anderem als Ablösungs-, Zwischen- und Integrationsphase.

Die Ablösungsphase in unserem Beispiel der körperlichen Reife ist die Ablösung von der Kindheit.
Die Zwischenphase ist oftmals eine Zeit der Orientierungslosigkeit, wo der junge Mensch sich im
Übergang von einer Identität in die andere befindet. Hier sind wir häufig besonders anfällig für
negative Einflüsse aller Art, da wir unseren neuen Platz in der Familie oder Gemeinschaft noch
nicht kennen. Es ist die Zeit der wechselhaften Gefühle, der extremen Positionen und der inneren
Unsicherheit, wie sie oft die Pubertät kennzeichnet.

Ähnliches gilt für die Ablösung vom Single zur Partnerschaft, bei der ersten Mutter- oder
Vaterschaft, beim Wechsel in die Menopause oder beim Ende des Erwerbslebens.

Mit der Integrationsphase ist – um bei unserem Beispiel zu bleiben – das Landen in der neuen Rolle
als junge Frau, bzw. junger Mann gemeint.

Sinnvolle Übergangsriten beinhalten immer auch eine neue Ebene der Vervollständigung. Dazu
gehört auch das Aushandeln neuer Rechte und Verantwortlichkeiten, die mit dem sich verändernden
Status zu tun haben. Sie werden in der Übergangszeremonien von der Familie und Gemeinschaft
rund um den jungen Menschen bezeugt und geben den jungen Männern und Frauen das Gefühl, von
Wert zu sein und erhalten Anerkennung für den Wachstumsschritt, den sie durchlaufen haben.
Wir können immer wieder sehen, wie sehr diese speziellen Zeremonien und Übergangserfahrungen
dazu beitragen, dass Jugendliche und Erwachsene eine stabile Orientierung für ihre Stärken und
Schwächen, ein sicheres Gefühl für ihren Platz in der Welt und sexuelle Selbstwertschätzung
finden.

Übergangszeremonien haben einen positiven Einfluss auf unsere Identität als Männer und Frauen.
Wie hätten wir unsere ersten intimen Erfahrungen wohl in Erinnerung, wenn wir Wissen über den
unterschiedlichen Zugang von Männern und Frauen zum körperlichen Erleben gehabt hätten? Für
viele Erwachsene wäre einiges anders gelaufen, wenn sie bereits in ihrer Jugend körperliche Reife
mit Stolz und Freude hätten feiern können.

Wir hatten das Glück viele Kinder und Jugendliche, sowie viele Erwachsene zu begleiten, die ihre
Übergänge in dieser Art gefeiert haben und es ist ein großes Geschenk zu beobachten, wie dabei
Selbstbewusstsein, Selbstwert und Selbstliebe in den Menschen geweckt und nachhaltig genährt
werden.

In unserem „Familiencamp für Übergangszeremonien“ für Kinder, Jungendliche und Erwachsene
wollen wir einen Raum schaffen, diese zeremoniellen Übergänge wieder mit Sinn und Bedeutung
zu füllen.

Anke Mrosla

www.lebenswege-Initiationen.de

“Übergänge feiern – Gemeinschaft erleben”Familiencamp für Übergangszeremonien

30. Juni – 4. Juli 2021

in Wenzlow (OT Boecke) bei Brandenburg